Podium

v.l.n.r.: Dr. Dieter Steinkamp, RheinEnergie AG, Henning Deters, Gelsenwasser AG, Dr. Jörg Bergmann, Open Grid Europe GmbH, Dr. Harald Hecking, ewi Energy Research & Scenarios gGmbH, Alexander Land, Open Grid Europe GmbH

Pressemitteilung ewi ER&S

Energiewende nur mit Gas- und Wärmenetzen effizient machbar

Studie stellt Nutzen der Gas- und Wärmeinfrastruktur für die Energiewende heraus

  • Hoher Beitrag von Gas- und Wärmeinfrastruktur zur effizienten CO2-Vermeidung in einer ungewissen Zukunft.
  • Gas- und Wärmeinfrastruktur stehen für Flexibilität und Technologieoffenheit.
  • Technologieoffener Weg unter Nutzung der Gas- und Wärmeinfrastruktur spart rund 140 Milliarden Euro bis 2050.

Düsseldorf, 23. November 2017. ewi Energy Research & Scenarios (ewi ER&S), Gelsenwasser, Open Grid Europe und RheinEnergie haben heute gemeinsam im Rahmen einer Pressekonferenz in Düsseldorf die Ergebnisse der Studie „Energiemarkt 2030 und 2050 – Der Beitrag von Gas- und Wärmeinfrastruktur zu einer effizienten CO2-Minderung“ vorgestellt. Die im Auftrag der drei Unternehmen von ewi ER&S erstellte Studie zeigt auf, welchen Beitrag bestehende Gas- und Wärmenetze zu einer effizienten Treibhausgasminderung bis 2030 und 2050 leisten können. Dazu untersuchen die Autoren zwei mögliche Szenarien für eine Treibhausgasminderung entsprechend der deutschen Klimaziele bis 2030 und 2050. Im Szenario Revolution unterstellen sie eine ordnungsrechtlich forcierte Elektrifizierung der Endenergieverbrauchssektoren, in dem Gas- und Wärmenetze zunehmend an Bedeutung verlieren. Im Szenario Evolution gibt es hingegen keine ordnungsrechtlichen Vorgaben hinsichtlich bestimmter Technologien, bestehende Gas- und Wärmenetze werden weiter genutzt.

In beiden Szenarien lassen sich die Klimaziele erreichen, so eines der zentralen Ergebnisse der Studie, doch das Szenario Evolution spart bis 2050 Kosten in Höhe von rund 140 Milliarden Euro ein. Zudem bietet dieses Szenario mehr Flexibilität, auf die heute noch nicht absehbaren technologischen Entwicklungen nach 2030 kosteneffizient zu reagieren. Damit werden Lock-In-Effekte durch eine frühzeitige technologische Festlegung vermieden, wie sie im Szenario Revolution wirtschaftlich nachteilig entstehen.

„Ein technologieoffener Ansatz erreicht die Treibhausgasminderungsziele zu deutlich geringeren Kosten als eine weitgehende Elektrifizierung des Endenergieverbrauchs“, sagte der Geschäftsführer von ewi ER&S, Dr. Harald Hecking, bei der Präsentation der Studienergebnisse. „Da wir nicht wissen, wie sich
Märkte und Technologien in den kommenden Jahrzehnten entwickeln werden, bietet dieser Weg auch mehr Flexibilität und Chancen für eine unsichere Zukunft.“

„Die Ergebnisse zeigen, dass es mit der vorhandenen Infrastruktur kurzfristig möglich ist, sehr viel CO2 zu vermeiden. Wir sollten nicht mehr theoretische Pläne diskutieren, sondern konkret damit anfangen. Indem wir technologieoffen agieren, schaffen wir uns dabei Handlungsfreiheit in Deutschland und in Europa. Es wird deutlich, dass die Verteilnetze für Gas und Strom dabei Dreh- und Angelpunkt sind“, so Henning Deters, Vorstandsvorsitzender von Gelsenwasser.

„Keiner von uns kann die Zukunft vorhersagen. Deshalb ist es gerade bei solch langfristigen Projekten wie der Energiewende wichtig, sich alle technischen Optionen offen zu lassen, um die angestrebten CO2-Einsparungen zu erreichen. Die Studie stellt klar heraus, dass eine Nutzung der bestehenden Gas- und Wärmeinfrastruktur der sinnvollste Weg ist. Daher plädieren wir für eine am Verbraucher und damit an den Kosten und der Akzeptanz ausgerichteten Umsetzung der Energiewende, mit Technologieoffenheit und Ideologiefreiheit“, erklärte Dr. Jörg Bergmann, Sprecher der Geschäftsführung der Open Grid Europe.

„Wir vermeiden damit bis 2030 jegliche ‚Lock-In-Effekte’, die uns zugunsten einer bestimmten Technik früh festlegen würden“, sagte Dr. Dieter Steinkamp, Vorstandsvorsitzender der RheinEnergie in Köln. „Im Gegenteil: Wir behalten weitgehende Gestaltungsspielräume und können so auch weitere technologische Fortschritte berücksichtigen und gegebenenfalls integrieren. Wir brauchen auf dem Weg in die Zukunft größtmögliche Flexibilität; wie das geht, zeigt die Studie deutlich.“

Die Studie veranschaulicht auf wissenschaftlicher Basis noch einmal, dass in beiden Szenarien Gas und Gasinfrastruktur sowie der Wärmemarkt insgesamt ein essentieller Bestandteil des zukünftigen Energiesystems sein werden. Angesichts der Verdopplung der Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien bis 2030 und einer Vervierfachung bis 2050 ist der Einsatz von Gaskraftwerken für die Bereitstellung der gesicherten Leistung in jedem Szenario unabdingbar für das zukünftige Energiesystem.

Die Studie „Energiemarkt 2030 und 2050 – Der Beitrag von Gas- und Wärmeinfrastruktur zu einer effizienten CO2-Minderung“ ist unter folgendem Link abrufbar: http://www.ewi.research-scenarios.de/cms/wp-content/uploads/2017/11/ewi_ERS_Energiemarkt_2030_2050.pdf