Projekt TENP-Reversierung

Die Gasflüsse auf dem Leitungsnetz der TENP, gesteuert durch die Verdichterstation Hügelheim, werden zukünftig reversierbar sein, d. h. sie werden sowohl in Nord-Süd- als auch in Süd-Nord-Richtung fließen können. Dazu wird das Rohrleitungssystem angepasst, sodass eine bidirektionale Fahrweise des Erdgasflusses ermöglicht wird. Die TENP-Reversierung ist zudem eine Komponente der L-/H-Gas-Umstellung und dient dazu, die Versorgungssicherheit Deutschlands aufrechtzuerhalten. Die L-/H-Gasumstellung ersetzt das rückläufige Aufkommen des niederkalorischen L-Gases durch die Erschließung neuer Aufkommensquellen und Transportwege für das hochkalorische H-Gas. Mit Blick auf die TENP-Reversierung sind dies neue Quellen in Südeuropa und Nordafrika.

Der Maßnahmenumfang für die Reversierung beinhaltet u. a. den Einbau von vier zusätzlichen Absperrarmaturen (DN 900) mit verbindenden Rohrleitungen innerhalb des Stationsgeländes der Verdichterstation Hügelheim. Das Projekt ist Teil des deutschen Netzentwicklungsplans Gas 2015. Zudem fördert die EU den Ausbau als Project of Common Interest (PCI).*

Das TENP-Gastransportsystem

Die TENP (Trans-Europa-Naturgas-Pipeline) ist ein Gastransportsystem, welches eine wesentliche europäische Nord-Süd-Transportachse darstellt und im grenzüberschreitenden Transit die Niederlande, Belgien, Deutschland, Schweiz und Italien miteinander verbindet.

Das Gastransportsystem der TENP verfügt über vier Verdichterstationen zur Aufrechterhaltung des Leitungsdrucks, welche sich von Nord nach Süd an folgenden Standorten befinden: Stolberg (NRW), Mittelbrunn (Rheinland-Pfalz), Schwarzach (Baden-Württemberg) und Hügelheim (Baden-Württemberg).

Der Verdichterstation Hügelheim kommt bei dem zukünftigen bidirektionalen Erdgastransport – insbesondere bei Gasflüssen aus der Schweiz kommend – eine besondere Rolle zu, da sie die zur schweizerischen Grenze nächstgelegene Möglichkeit zur Erhöhung des Leitungsdrucks ist.

Vorhabensträger ist die Trans Europa Naturgas Pipeline GmbH & Co. KG (TENP KG),, die Eigentümerin des Gastransportsystems ist. An der TENP KG sind die Open Grid Europe GmbH mit 51 % und die Fluxys TENP GmbH mit 49 % beteiligt.

* für die europäische Energieinfrastruktur (TEN-E-Verordnung). Innerhalb der EU-Verordnung 347/2013 werden planungsrechtliche Vorgaben zu „Vorhaben von gemeinsamen Interesse“ (engl. Projects of Common Interest, PCI) definiert. Ziel der Verordnung ist es, bestehende Lücken in der europäischen Energienetzinfrastruktur gemeinschaftlich zu schließen und im Rahmen einer europarechtskonformen Planung die jeweilige Umsetzung zu gewährleisten (BNetzA 2016). Gemäß der öffentlich zugänglichen Liste der Bundesnetzagentur (BNetzA) entspricht das Vorhaben auf TENP, Verdichterstation Hügelheim, der PCI - Nr. 5.10 „Gastransport in Gegenflussrichtung auf der TENP-Fernleitung in Deutschland“ (Liste PCI-Projekte, Quelle: BNetzA 2016).

Modernisierung der TENP Verdichterstationen

Seit 2012 erfolgt auf dem TENP System die Modernisierung eines Großteils der Antriebseinheiten auf den einzelnen Verdichterstationen. An den vier Standorten Stolberg, Mittelbrunn, Schwarzach und Hügelheim wird dazu der Austausch und Umbau von insgesamt neun „Frame 3“ Gasturbinen samt Nebenaggregaten durchgeführt. Im Dezember 2016 wird voraussichtlich die letzte umgebaute Maschineneinheit wieder in Betrieb gehen.

Ziel des Umbaus ist insbesondere die deutliche Reduktion der Abgasemissionen und somit die Einhaltung der durch die 13. BImSchV gesetzlich vorgegebenen Emissionsgrenzwerte. Mit dem Umbau der Gasturbinen erfolgt der Einsatz einer sogenannten Dry Low Nox (DLN) Verbrennungstechnik, durch die der Ausstoß von Stickoxiden um bis zu 90 Prozent reduziert werden konnte.

Die besondere Herausforderung des Großprojekts lag in der vollständigen Aufrechterhaltung des Betriebs im TENP-Transportsystem, die während der insgesamt fünfjährigen Umbauzeit durch ein „Roll-Over“ Konzept sichergestellt wurde. Dieses Konzept ermöglichte den Umbau von 3 Maschinen pro Jahr bzw. einer Einheit pro Station und Jahr bei laufendem Stationsbetrieb. Insgesamt wurden neun Maschinen ausgetauscht beziehungsweise umgerüstet.

Mit diesem ressourcensparenden Ansatz ergab sich allerdings auch ein erhöhter Planungsaufwand.

Neben dem Austausch der Antriebsmaschinen wurden im Rahmen des Projekts zusätzlich alle notwendigen Nebenaggregate neu erstellt oder ausgetauscht. Besonderes Augenmerk lag auf der Installation zusätzlicher Abgaswärmeübertrager (Rekuperatoren), von denen insgesamt sieben neu installiert wurden. Die Rekuperatoren erhöhen die Prozesseffizienz indem sie die Luft, die der Verbrennung zugeführt wird mit dem Abgas der Turbine vorwärmen. Der Rekuperator benötigt für die Wärmeübertragung zwischen Abgas und Frischluft große Oberflächen, die durch Rohrbündel realisiert werden und kommt mit seinen geräumigen Ausdehnungen auf ein Gesamtgewicht von rund 90 Tonnen.

Die Trans-Europa-Naturgas-Pipeline (TENP) GmbH & Co.KG transportiert, beginnend an der deutsch-niederländischen Grenze, auf einer Strecke von etwa 500 km norwegisches Erdgas in Richtung Schweiz und Italien. Die Pipeline wurde Anfang der 1970er Jahre erbaut und ist heute die bedeutendste Nord-Süd-Achse des europäischen Erdgas-Verbundsystems. Die Trans Europa Naturgas Pipeline GmbH & Co. KG ist die Betreibergesellschaft und ein Tochterunternehmen der beiden Ferngasnetzbetreiber Open Grid Europe GmbH und der Fluxys TENP GmbH.

[November 2016]

NEP MEGAL Rothenstadt

Neben der bereits bestehenden Erdgas-Verdichterstation in Rothenstadt (Weiden i. d. OPf.) baut Open Grid Europe im Auftrag der MEGAL (Mittel-Europäische Gasleitungsgesellschaft mbH & Co. KG) eine neue Anlage mit einer Gesamt-Antriebsleistung von 45 MW.

Der Neubau der Verdichterstation dient der Kapazitätserhöhung auf Grund erwarteter erhöhter Transportanforderungen. Durch die zusätzlich geschaffene Verdichterleistung werden die Erdgasspeicher im Süden (Haidach/7Fields) mit zusätzlichen Kapazitäten versorgt und die Leistungsfähigkeit des Erdgastransportsystems in Nord-Süd und Süd-Nord Fahrweise verstärkt.

Die Notwendigkeit der neuen Verdichterstation in der geplanten Form ist durch den Netzentwicklungsplan Gas (NEP) 2014 festgestellt und durch den NEP 2015 bestätigt worden. Seit Herbst 2016 sind auch die genehmigungsrechtlichen Prozesse abgeschlossen und der BImSchG-Genehmigungsbescheid liegt vor.

Das Projekt befindet sich seit März 2016 in der Bauphase und das Engineering ist weitgehend abgeschlossen. Die Gebäude der drei Verdichterhallen,  der zwei Versorgungsgebäuden und das der Messanlage sind bereits errichtet. Die Montage der verfahrenstechnischen Teile, wie Erdgaskühler, Stationseingangsfilter und Verrohrung verläuft planmäßig und die Anlieferung der drei neuen Gasturbinen und Verdichter erfolgt im April 2017. Die Arbeiten für die Anbindung der Station an das Ferngasleitungsnetz sind für 2017 vorgesehen. Die Inbetriebnahme soll 2018 abgeschlossen werden.

Neubau der Verdichterstation Herbstein

Die Inbetriebnahme ist im Jahr 2018 geplant.

Bauprojekte aus dem NEP Gas

Der Netzentwicklungsplan Gas (NEP) 2014 und der in Bearbeitung befindliche Netzentwicklungsplan 2015 beinhalten abgestimmte Baumaßnahmen zur Optimierung der Gasinfrastruktur in Deutschland und der Grenzübergangspunkte.

Diese Ausbauvorhaben basieren auf den Netzausbauberechnungen der Netzentwicklungspläne 2013 und 2014. Die dort beschriebenen Netzausbaumaßnahmen dienen unter anderem der Verstärkung der Leistungsfähigkeit des Erdgastransportsystems in Nord-Süd- beziehungsweise in Süd-Nord-Richtung sowie der Vorbereitung auf die L-H-Gas Umstellung und der Gewährleistung der Versorgungssicherheit.

Loopleitung Epe-Legden (LEL)

Das Raumordnungsverfahren (ROV) für die in Planung befindliche Erdgasfernleitung von Epe nach Werne ist im Februar 2015 mit der raumordnerischen Beurteilung durch die Bezirksregierung Münster abgeschlossen worden, in welcher die Raumverträglichkeit der geplanten Erdgasfernleitung festgestellt wurde.

Für das jetzt folgende Planfeststellungsverfahren (PFV) wird eine kürzere Leitungstrasse von Epe nach Legden, mit rund 16 Kilometern Länge, beantragt. Damit trägt Open Grid Europe dem aktualisierten Netzentwicklungsplan Gas (NEP Gas 2014) Rechnung, der eine kürzere Trassenführung vorsieht. Die Leitung dient insbesondere der Vorbereitung der erforderlichen L-H-Gas-Umstellung.

Der Baubeginn ist nach Abschluss des PFV für Mitte 2017 vorgesehen und die Fertigstellung für Ende 2018 geplant. Die neue Erdgasfernleitung wird einen Durchmesser von ca. 1.100 Millimetern (DN 1100) haben und ist für einen Auslegungsdruck von 100 bar vorgesehen. Sie verläuft weitestgehend parallel zur vorhandenen Erdgasleitung Rysum-Werne. Die Leitungstrasse beginnt an der Station der Anschlussleitung zum Speicher Epe bei Epe, verläuft durch den Landkreis Borken und endet bei der Schieberstation von Open Grid Europe in Legden. Am Anfangs- sowie am Endpunkt der Leitung wird jeweils eine Molchschleusenstation errichtet, die es ermöglicht, die Leitung mit einem sogenannten Molch zu inspizieren.

Durch den Bau betroffen werden die Stadt Gronau sowie die Gemeinden Heek, Schöppingen und Legden.

zum Raumordnungsverfahren (ROV)

Loopleitung Schwandorf-Forchheim (Arresting) (LSF)

Der Ausbau soll die Anbindung neuer Erdgasspeicher und neuer Gaskraftwerke gewährleisten und die Kapazitätsbedarfe nachgelagerter Netzbetreiber und Kooperationspartner im Marktgebiet der NetConnect Germany (NCG) sicherstellen.

Open Grid Europe wird gemäß NEP 2012/2013 eine Loopleitung ab der Open Grid Europe Station Schwandorf zur Station Arresting errichten. Eine Weiterführung nach Forchheim ist aus systemtechnischen Gründen vorgesehen. Die Loopleitung wird einen Durchmesser von 900 Millimetern haben und wird für einen Druck von 100 bar ausgelegt werden. Sie wird eine Länge von rund 62 Kilometern haben.

Das Raumordnungsverfahren (ROV) ist im Mai 2015 und das Planfeststellungsverfahren (PFV) ist im Sommer 2016 abgeschlossen worden. Erste Baumaßnahmen wie Mutterbodenabtrag, Kampfmitteluntersuchungen und archäologische Untersuchungen wurden im Oktober 2016 begonnen.

Die Inbetriebnahme der rund 62 Kilometer langen Leitung mit einem Durchmesser von 1, 0 m ist für Dezember 2017 geplant.

Loopleitung Forchheim-Finsing (LFF)

Open Grid Europe wird gemäß NEP 2012/2013 eine Loopleitung ab der Open Grid Europe/ bayernets-Station Forchheim zur Station Finsing errichten.

Die neue Loopleitung von rund 74 Kilometern Länge hat einen Durchmesser von einem Meter und wird für einen Druck von 100 bar ausgelegt sein. Ihre Inbetriebnahme ist für Dezember 2018 geplant.

Das Raumordnungsverfahren ist abgeschlossen. Das Planfeststellungsverfahren (PFV) läuft seit Mai 2016. Im Februar 2017 werden die Erörterungstermine durchgeführt.

Der Planfeststellungsbeschluss wird für August 2017 erwartet. Die Inbetriebnahme ist für Dezember 2018 geplant.

www.regierung-oberbayern.de

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