Wende wohin? Szenarien zur Energiezukunft

Die Umstellung der Energieerzeugung auf erneuerbare Energiequellen - etwa durch Solaranlagen, Windkraftparks oder Wasserkraftwerke - ist eines der größten Innovationsvorhaben in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Das Ziel ist klar: der Primärenergieverbrauch soll bis zum Jahr 2050 um die Hälfte gegenüber dem Niveau von 2008 gesenkt werden. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung soll von 20 Prozent des Stromverbrauchs auf mindestens 80 Prozent im Jahr 2050 steigen.

Aber wie verläuft der Weg dorthin? Es gibt unterschiedliche Szenarien. Vier davon hat Roland Berger [1] in einer Studie so skizziert:

1. Weiter wie bisher

Es gibt eine hohe staatlich garantierte Förderung der erneuerbaren Energien. Dadurch entstehen keine Anreize für eine verbrauchsorientierte Stromerzeugung. Bei Speichertechnologien und Smart Grids werden nur geringe Fortschritte gemacht. Und der Zubau von Erneuerbare-Energien-Anlagen erschwert die Netzintegration.

2. Lenkende Hand

Auch hier gibt es eine hohe staatlich garantierte Förderung der erneuerbaren Energien. Das Fördersystem fokussiert aber auf Integration der Kapazitäten ins Gesamtnetz. Um das zu bewerkstelligen, wird die Energiewende durch ein Bundesministerium zentral gesteuert. Ein staatlicher Forschungs-Masterplan bringt Innovationen bei Netz und Speichern.

3. Anarchie

Wirtschaftliche Schwierigkeiten setzen Staat und Unternehmen unter Druck. Es kommt zu einem abrupten Ausstieg aus dem staatlichen Fördersystem. Unternehmen setzen in Folge überwiegend auf Eigenversorgung mit Strom. Die Dezentralität und mangelnde Vernetzung des Systems gefährden Versorgungssicherheit.

4. Energiesystem 3.0

Es findet eine marktwirtschaftliche Förderung ohne Garantien und Privilegien statt. Durch einen wiederbelebten Handel werden erneuerbare Energien indirekt gefördert. Attraktive Investitionsregularien holen die Wirtschaft als Finanzier ins Boot. Eine kooperative F+E-Politik zwischen Staat und Wirtschaft führt zu Innovationssprüngen.

Vier Extrempunkte - und wohl keines dieser Szenarien wird genau so eintreffen. Aber sie zeigen Dimensionen auf, zwischen denen man sich bewegen wird. Klar ist, dass dies immer auch unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten erfolgen wird, die Ziele des energiewirtschaftlichen Dreiecks (Umweltverträglichkeit, Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit) zu erreichen. Und ebenso klar ist, dass erneuerbare Energien wegen der fehlenden Grundlastfähigkeit einen konventionellen Energieträger als Partner brauchen, um auch in Zeiten ohne Sonne und Wind eine störungsfreie Stromversorgung sicherstellen zu können. Erdgas ist bestens dazu geeignet, diese Rolle zu spielen, weil es klimafreundlich, flexibel und dezentral einsetzbar ist.

[1] Roland Berger Strategy Consultants: Think Act - Energiewende Reloaded, März 2014

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Zukunft des Energiemarktes

Wie sieht die Energiewirtschaft im Jahr 2050 in aus? Und welche Folgen hat das für den Gasmarkt? Spannende Fragen, zu deren Beantwortung immer mehr Studien und Prognosen herausgegeben werden. Auch wenn sich viele dieser Studien in den konkreten Zahlen und Ergebnissen unterscheiden, sie haben eines gemeinsam: Sie beschreiben eine Energiewelt, die nicht viel mit jener gemeinsam hat, die wir heute kennen. Konsens ist: Erneuerbare Energien spielen eine immer größere Rolle, genauso Klimaschutz und Energieeffizienz.

Die Energiereferenzprognose[1], auf die sich große Teile der deutschen Energie- und Klimapolitik stützen, zeichnet beispielsweise folgendes Marktbild:

  • Der Primärenergieverbrauch wird sich durchgehend verringern, bei einer gleichzeitig zunehmenden Wirtschaftsleistung. Durch den steigenden Energiebedarf asiatischer Volkswirtschaften werden dabei die Preise für Rohöl, Erdgas und Kesselkohle an internationalen Märkten steigen.
  • Die Erneuerbaren leisten einen weiter schnell wachsenden Beitrag zur Energieversorgung. Mehr als die Hälfte aller Erneuerbaren werden zur Stromerzeugung genutzt.
  • Die energiebedingten Treibhausgasemissionen werden in 2050 um mehr als die Hälfte niedriger liegen als im Kyoto-Jahr 1990. Grund dafür sind der rückläufige Primärenergieverbrauch und dessen langfristig abnehmende Treibhausgasintensität.
  • Durch zunehmend effiziente Fahrzeuge wird sich der Energieverbrauch im Verkehr verringern. Dazu trägt auch der Ausbau der Elektromobilität bei. Benzin und Diesel verlieren zugunsten von Biokraftstoffen, Strom und Erdgas an Bedeutung.
  • Die nationalen Marktgebiete für elektrischen Strom in Europa werden weiter zusammenwachsen. Diesbezüglich spielt auch der Netzausbau eine zentrale Rolle, der aufgrund des geänderten institutionellen Rahmens in Deutschland weiter voranschreiten wird.
  • Die installierte Erzeugungskapazität des deutschen Kraftwerksparks steigt kontinuierlich an. Dies ist vor allem auf den geringen Beitrag an gesicherter Leistung der stark zunehmenden erneuerbaren Energien zurückzuführen. Hohe CO2-Zertifikatspreise werden bis 2050 für wachsende Anteile von Erdgas an der Stromerzeugung sorgen.

[1] Vgl. Entwicklung der Energiemärkte – Energiereferenzprognose, in Auftrag gegeben vom BMWi bei dem Konsortium Prognos AG, Energiewirtschaftliches Institut an
der Universität Köln (EWI) und Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung mbH (GWS), 2014.

Zukunft IT

Das Energiesystem der Zukunft wird aus vielen Anlagen zur Energieerzeugung und zum -verbrauch sowie zur Speicherung bestehen. Die Erzeugung wird zunehmend dezentral erfolgen. Intelligente Verteilnetze und Einrichtungen regeln den Transport der Energie. Dabei werden sich Techniken der Telekommunikation und Automatisierung immer mehr verbinden. IT nimmt eine zentrale Rolle ein, denn im zukünftigen Energiesystem werden Energiewege und -lösungen noch stärker virtuell und digital vernetzt erfolgen. Ob Cloud-basierte Services, Big Data, Smart Grids, Smart Metering oder E-Mobilität - die Entwicklung zeigt sich in vielen Megatrends. Klar ist: Digitale Vernetzung und Informationsverarbeitung erlauben völlig neue Lösungsansätze von der ­Produktion, der Beschaffung, dem Handel und der Verteilung von Energie über das komplexe Energiemanagement für Industrie und Gewerbe bis hin zur Steuerungs-App für Privatkunden.

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